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Reviews

Katie Melua: Call Off The Search



Mike Blatt gehört mit seinen 54 Jahren nicht gerade zum jungen Eisen. Er hat eine Menge gesehen und erlebt. Für das Duo Art Garfunkel schrieb er den Welthit "Bright Eyes". Wenn so ein Mann über eine Künstlerin sagt, dass sie zu den "intelligentesten Sängerinnen" gehört, die er je getroffen hat, dann kommt das eine Krönung gleich.

Und irgendwie stellt man sich so auch eine Prinzessin vor: Zart, grazil, elegant und erhaben. Ebenso tritt Katie Melua auf ihrem Debüt "Call Off The Search" auf. Die 20-Jährige wurde in Georgien geboren, zog im Alter von neun Jahren mit ihren Eltern nach Belfast, wechselte mehrmals die Schule und landete irgendwann in London. Ganz schön kompliziert. Wie gut, dass es uns die junge Dame mit diesem Album so leicht macht. Jeglicher Widerspruch ist zwecklos. Dieses Album ist gut, verdammt gut. Sogar eines der besten dieses Jahres.

Wochenlang hielt sich "Call Off The Search" in Katies Wahlheimat England an der Spitze der Charts, erhielt vierfach Platin. Und auch in Deutschland erreichte die Scheibe die Top 10. Nicht schlecht für eine 20-Jährige, die in ihren Liedern mit einer engelsklaren Stimme singt. Mit "The Closest Thing To Heaven" gibt es so etwas wie einen Top-Hit unter vielen Hits. Mike Blatt ist zu recht stolz: "Mit Katie habe ich eine fantastische Entdeckung gemacht. Sie ist selbstsicher und besitzt eine Bühnenreife, die weit über ihr Alter hinausgeht."

Pünktlich zum Weihnachtsgeschäft ist eine Sonderversion von "Call Off The Search" erhältlich - ein Danke an die Fans, die Katie Melua in ihr Herz geschlossen haben. Neben dem Album enthält die Special Edition eine DVD, auf der die Videos ihrer Singles und dem dazu gehörigem Making Of enthalten sind. Außerdem: Ein Portrait der wunderschönen Dame.

Wem Norah Jones zu jazzig, Dido zu alternativ, Nelly Furtado zu rhythmisch und Avril Lavigne zu rockig ist, für den ist Katie Meluas "Call Off The Search" exakt die richtige Platte. Und für alle anderen auch.

Bewertung: 9 von 10
6.11.04 20:35


Manic Street Preachers: Lifeblood



Seit 13 Jahren schon gibt es die Manic Street Preachers. Den internationalen Durchbruch schafften die Waliser aber erst 1998 nach einer großen Tragödie.

Vor neun Jahren verschwand Richey Edwards. Er war Gitarrist einer jungen britischen Band, die in ihrer Heimat schon den Durchbruch schaffte. Bis heute fehlt jede Spur von ihm. Gerüchte über seinen Selbstmord wechseln sich mit solchen einer Entführung ab. Niemand kann sagen, ob Richey Edwards noch lebt. Richeys Band, die Manic Street Preachers, mussten sich nach dessen Verschwinden, vollkommen umstellen, denn ihnen fehlte jetzt nicht nur der Gitarrist und ein guter Freund, sondern auch der Songwriter. Sie schlossen die Lücke aus eigenen Reserven, ohne Neuzugänge in die Band aufzunehmen. Es folgte das großartige Album "This is my truth tell me Yours" und der internationale Erfolg.

In den letzten Jahren geizten die Preachers mit neuem Material. Das letzte Studio-Album "Know Your Enemy" erschien 2001, darauf gaben sich die drei Musiker so politisch und rockig wie nie. Daher überrascht das neue Werk "Lifeblood". Die erste Single "The love of Richard Nixon" ist zwar nicht unpolitisch, doch der Sound ist viel weicher und klingt eher nach den 80ern als nach "Know Your Enemy". Gitarren gibt es auf "Lifeblood" nur noch vereinzelt, dafür aber Synthie-Geräusche. Kommt wohl davon, wenn man bei den Aufnahmen New Order hört.

"Lifeblood" ist das siebte und bestimmt nicht das schlechteste Album der Manic Street Preachers. Wer aber nach einem Hit der Marke "If You tolerate this?" oder "Everlasting" sucht, wird nicht fündig. Lediglich "A Song For Departure" sticht aus der Masse heraus. Das aber ist nicht genug für ein Klasse-Album. Somit ist "Lifeblood" ordentlicher Pop - mehr aber nicht.

Bewertung: 4 von 10
4.11.04 08:39


Travis: Singles


Jetzt also auch Travis. Die Schotten bringen mit "Singles" ein Greatest-Hits-Album pünktlich zu Weihnachten auf den Markt.

Die meisten denken, Travis ist vor allem der Song "Why does it always rain on me". Das ist sowohl richtig als auch falsch. Richtig, denn die Nummer ist ohne jeden Zweifel das beste und imposanteste Stück, das der Feder von Sänger und Songwriter Fran Healy entsprungen ist und einer der größten Popsongs aller Zeiten. Falsch, denn Travis haben sehr viel mehr zu bieten. Wie viel zeigt "Singles", eine Ansammlung der größten Travis-Hits. Und da waren einige.

Auffallend sind "Tied To The 90s", "All I Want To Do Is Rock", "Happy" und "U16 Girls" vom allerersten Album "Good Feeling", die erklären, wieso es immer noch Leute gibt, die Travis als Britpop-Band bezeichnen. Dann sind da aber noch "Sing", "Driftwood", "Turn" und "Re-Offender", die verstehen lassen, wieso Travis keine Britpop-Band sind, sondern dem Lager der Singer und Songwriter zugerechnet werden müssen.

Für echte Travis-Fans ist "Singles" ein sehr unbefriedigendes Album, denn mit "Walking in the Sun" gibt es lediglich einen neuen Song. "Coming around" war zwar auf keinem bisherigen Album zu finden gewesen, konnte jedoch als Import bestellt werden. Insofern gibt es wenig Neues von Travis. Nur die Hoffnung auf ein neues Album und die Bestätigung, dass Travis viel mehr sind als der Song "Why does it always rain
on me".

Bewertung: 5 von 10
3.11.04 08:24





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